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05.06.2016

Tag der Organspende: Kritik an anhaltender Intransparenz und mangelhafter Aufklärung bei Organspenden

Anläßlich des Tages der Organspende am 04.06.16 kritisiert der Verein Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. (KAO)  in einer Pressemitteilung die anhaltende Intransparenz und einseitige Aufklärung bei Organspenden durch die zuständigen Stellen.

So schreibt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in ihrer Ankündigung zum Tag der Organspende 2016, dass im letzten Jahr 3083 Organe transplantiert worden seien. In ihrer Statistik über alle Transplantationen in der BRD und DDR seit 1963 ist von 3776 Organen die Rede – eine nicht unerhebliche Differenz. Erst wenn man genauer nachforscht, erkennt man, dass bei der ersten Zahl die sog. Lebendspenden herausgerechnet worden sind – warum? Möchte man die Gesamtzahl möglichst gering halten, um einen größeren Anreiz zu erzeugen, sich als „Spender“ zur Verfügung zu stellen?

Dies ist für KAO nur ein kleines Beispiel für die Undurchschaubarkeit und Manipulierbarkeit des Systems. Skandale im Bereich der Organverteilung, Hirntodfeststellung und Fehldiagnosen erschüttern immer wieder die Öffentlichkeit.

Mit der Veränderung des Transplantationsgesetzes 2012 hin zur „Entscheidungslösung“ wurde ein Transplantationsregister angekündigt, aber noch immer gibt es kein Ausführungsgesetz – darf man da den beteiligten Institutionen vertrauen? Durch unterschiedliche Zahlen ohne amtliche Bestätigung sorgen sie selbst dafür, dass die so oft geforderte Transparenz verhindert wird.

In der erwähnten Presseerklärung steht: „Da gibt es Hoffnung, Freude und Dankbarkeit auf der Empfängerseite...“ KAO empfiehlt dazu als Lektüre das neu erschienene Buch „Sterben verboten – die Lüge vom neuen Leben“ von Andrea Sedelmaier (Verlag Fischer & Gann), das auch die andere Seite für Organtransplantierte und deren Angehörigen beleuchtet. Weiter heißt es im DSO-Text: „...aber auch Abschied, Trauer, Hilfsbereitschaft und sehr viel Nächstenliebe bei den Menschen, die sich für eine Organspende entschieden haben.“ Es wird verschwiegen, dass neun von zehn Menschen, denen Organe entnommen wurden, keine eigene Entscheidung getroffen haben. Sie wurden durch Angehörige, die sich in der Regel im Schock befinden, zu „Spendern“ gemacht. Deswegen können wir nicht von einem selbstbestimmten Akt der Nächstenliebe sprechen. Der Nächste ist für die Angehörigen erst einmal ihr Familienmitglied. Mit dem Begriff der Nächstenliebe wird insofern Missbrauch betrieben, als der Blick vom Nächsten, der Hilfe und Zuwendung benötigt, weg auf einen unbekannten Fremden gerichtet wird.

Keine Sterbegleitung durch Angehörige

Auch sollten die Menschen wissen, dass man seinen Angehörigen nicht begleiten kann, denn im Sterbeprozess findet ja die Organentnahme statt. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf zu wissen, dass der Hirntod als Tod international umstritten ist. Sogar der Deutsche Ethikrat hat 2015 in einem Minderheitenvotum festgestellt, der Hirntod sei nicht der Tod des Menschen.

Wenn jemand geglaubt hätte, mit der Neufassung des Transplantationsgesetzes sei die Tätigkeit von KAO überflüssig geworden – schließlich wird dort gefordert, dass die Aufklärung die gesamte Tragweite zu umfassen habe – wurde schnell eines Besseren belehrt: Die meisten Krankenkassen, die regelmäßig ihre Versicherten zu informieren haben, beziehen sich nach Erfahrung von KAO einfach auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, deren Ziel es allerdings ist, die Zahl der Organentnahmen zu erhöhen. „Wir werden unserer Arbeit daher weiter nachgehen wie bislang, und das auch mit relativ großem Erfolg und positiver Resonanz,“ meint Dr. Martin Stahnke, Erster Vorsitzender von Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. (KAO).

Umfassende Aufklärung

KAO ist ein Verein, gegründet von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen und ihre Entscheidung bitter bereut haben. Auf seiner Internetseite unter www.initiative-kao.de hält KAO ausführliche Hintergrundinformationen und Angehörigenberichte zum Thema Organspende, Transplantation und Hirntod bereit. Diese seien jedem vor Ausfüllen eines Organspenderausweises empfohlen, um sich ein umfassendes Bild über alle Aspekte einer Organentnahme und die Folgen zu machen. Auf der Webseite gibt es unter Materialien auch einen Nicht-Organspenderausweis zum Runterladen und Ausdrucken.